Hochmut und Demut

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Friede sei mit euch, meine lieben Freunde! Ich komme zu euch, um euch zu ermutigen, den guten Weg zu verfolgen. Gott gibt den armen Geistern, die einst die Erde bewohnt haben, nun den Auftrag, euch zu erleuchten. Gelobt sei Gott für die Gnade, die Er uns gewährt, um euch bei euren Fortschritten zu helfen. Möge der Geist, der heilig ist, mich erleuchten und mir helfen, mich verständlich auszudrücken, möge er mir die Gnade erweisen, diese Worte für euch fassbar zu machen! All ihr inkarnierten Wesen, die ihr in Kummer lebt und nach dem Licht sucht, möge der Wille Gottes mir beistehen, um dieses Licht vor euren Augen scheinen zu lassen!

Die Demut ist eine sehr vergessene Tugend unter euch. Den großen Vorbildern, die euch dazu gegeben wurden, wird selten gefolgt. Kann man denn Nächstenliebe ohne Demut ausüben? O nein! Denn dieses Gefühl macht alle Menschen gleich. Es zeigt ihnen, dass sie alle Geschwister sind, dass sie sich einander helfen sollen und es führt sie zum Guten. Ohne Demut schmückt ihr euch mit Tugenden, die ihr nicht besitzt, als würdet ihr einen Mantel tragen, um die Missbildungen eueres Körpers zu verbergen. Erinnert euch an denjenigen, der uns errettet hat; erinnert euch an seine Demut, die ihn so groß gemacht und über alle Propheten gestellt hat.

Der Stolz ist der schreckliche Gegner der Demut. Als Christus das Himmelreich den Ärmeren versprochen hat, tat er das, weil die Großen dieser Erde meinen, dass die Titel und Reichtümer die Belohnung für ihren Verdienst seien und dass ihr Wesen reiner sei, als das der Armen. Sie denken, dass alle diese Titel und Reichtümer ihnen rechtmäßig zustehen. Sie werfen Gott daraufhin vor, wenn Er ihnen etwas wegnimmt, ungerecht zu sein. O Irrsinn und Blindheit! Hat Gott etwa zwischen euch irgendeinen körperlichen Unterschied gesetzt? Ist der Leib des Armen nicht der gleiche, wie der des Reiches? Hat der Schöpfer zwei Arten von Menschen geschaffen? All das, was Gott tut, ist erhaben und weise. Übertragt auf Ihn nicht die naiven Ideen eueres stolzen Verstandes.

O Reicher! Während du vor Kälte geschützt in deinem luxuriösen Zimmer schläfst, weißt du nicht, wie viele Tausende deiner Brüder, die genauso viel wert sind wie du, auf Stroh liegen. Ist der hungrige Elende nicht deinesgleichen? Gewiss empört sich dein Stolz bei diesen Worten. Du wirst sogar einverstanden sein, ihnen ein Almosen zu geben. Du würdest ihnen aber nie geschwisterlich die Hände schütteln. „Was!“, wirst du aufschreien, „Ich bin geboren mit Adelsblut, einer der Großen dieser Erde. Ich soll mit diesem Elenden gleichgestellt sein? Vergebliche Utopie von Pseudophilosophen! Wenn wir gleich wären, warum würde Gott ihn so niedrig und mich so hoch stellen?“ Es ist wahr, dass eure Bekleidungen sehr unterschiedlich sind. Wenn ihr beide aber entkleidet seid, welcher Unterschied wäre da zu sehen? „Das Adelsblut“, würdest du sagen. Die Chemie hat noch keinen Unterschied zwischen dem Blut eines Aristokraten und dem des Plebejers, zwischen Herrn und Sklaven gefunden. Könntest du mit Sicherheit sagen, dass du nicht früher einmal ein solcher Elender warst wie er? Vielleicht hast du auch, um Almosen gebettelt oder wirst eines Tages um Almosen bei diesem einen Menschen betteln, den du heute verachtest. Sind etwa die Reichtümer ewig? Finden sie nicht mit dem Körper, der vergänglichen Hülle deines Geistes, ihr Ende? Oh, gehe voller Demut in dich! Richte deinen Blick schließlich auf die Wirklichkeit der Dinge dieser Erde und auf das, was einen Menschen erhaben macht und den anderen erniedrigt. Denke daran, dass der Tod dich genauso wenig wie jeden anderen verschonen wird; dass deine Titel dich nicht vor ihm schützen werden; dass der Tod dich morgen, heute oder in jeder Stunde treffen kann. Und wenn du in deinem Stolz verharrst, oh, dann tust du mir sehr Leid! Denn umso erbarmenswerter bist du!

Hochmütige Menschen, was wart ihr, bevor ihr adlig und mächtig wart? Vielleicht die Untersten euerer Diener. Verneigt eure stolze Stirn. Denn Gott kann sie erniedrigen, in dem Moment, da sie am höchsten ist. Alle Menschen sind auf der göttlichen Waage gleich, nur die Tugenden machen den Unterschied vor Gottes Augen. Alle Geistwesen sind von der gleichen Essenz und alle Körper sind aus der gleichen Materie gebildet. Alle Namen und alle Titel werden daran nichts ändern. Sie enden im Grab und bringen nicht das versprochene Glück der Auserwählten. Die Letzten tragen ihre noblen Titel der Nächstenliebe und der Demut.

Arme Kreatur! Du bist Mutter und deine Kinder leiden. Es ist ihnen kalt, sie haben Hunger. Du gehst gebückt unter dem Gewicht deines Kreuzes, musst dich demütigen, um ein Stück Brot zu erhalten. Ah, ich verneige mich vor dir! Wie nobel, heilig und groß bist du vor meinen Augen! Warte und bete, das Glück ist nicht von dieser Welt! Gott gewährt den armen Unterdrückten, die Ihm vertrauen, das Himmelreich. Und du, arme Tochter, die du noch ein junges Mädchen bist, so fleißig arbeitest und dennoch nur Not kennst, warum diese traurigen Gedanken? Wozu weinen? Richte deine Augen zu Gott empor. Voller Mitleid und Gelassenheit, den Vögeln vom Himmel gibt Er Nahrung, vertraue Ihm. Er wird dich nicht verlassen. Die Klänge der Feiern und der weltlichen Heiterkeit lassen dein Herz höher schlagen. Du möchtest auch gerne alles mitmachen und unter den Glücklichen dieser Erde sein. Du möchtest wie die anderen fröhlichen und unbeschwerten Frauen, die vorbei gehen, auch reich sein. Ach, Vorsicht Kind! Wenn du wüsstest, wie viel Leid und Tränen sich unter diesen wunderbaren, bestickten Kleidern verbergen, wie viel Seufzer unter dem heiteren Klang des Orchesters erstickt sind, du behieltest  lieber deine bescheidene Behausung und deine Dürftigkeit. Bleibe rein in Gottes Augen, wenn du nicht möchtest, dass dein Schutzengel sich von dir entfernt und zu Gott zurückkehrt, das Gesicht bedeckt mit seinen weißen Flügeln und dich mit deinen Gewissensbissen zurückl.sst, ohne Führung und ohne Stütze auf dieser Erde, wo du verloren sein würdest und nur deine Abbü.ung auf einer anderen erwarten würdest. Und Ihr alle, die menschliche Ungerechtigkeiten erleidet, seid nachsichtig mit den Fehlern euerer Brüder. Denkt daran, dass ihr selbst nicht schuldlos seid. Das ist Nächstenliebe, aber auch Demut. Wenn ihr Verleumdungen erduldet, verneigt eueren Kopf vor dieser Prüfung. Was bedeuten die Verleumdungen dieser Welt? Wenn euer Verhalten richtig ist, kann Gott euch nicht entschädigen? Die Demütigungen mit Tapferkeit zu ertragen, heißt, demütig zu sein und anzuerkennen, dass nur Gott allmächtig und groß ist.

O mein Gott! Ist es notwendig, dass Christus nochmals auf den Planeten Erde kommen muss, um der Menschheit Deine Gesetze zu verkünden, die sie schon vergessen hat? Soll er wie damals die Händler aus dem Tempel werfen, die Dein Haus, diese Gebetsstätte, verunreinigen? Und wer weiß, o Menschen, wenn Gott euch jetzt erneut diese Gnade gäbe, ob ihr nicht wie früher ihn wieder verleugnen würdet? Ihr würdet ihn als Gotteslästerer anklagen, weil er den Stolz der modernen Pharisäer verletzen würde?

Vielleicht würdet ihr ihn sogar nochmals den Weg des Berges Golgatha hinauf führen? Als Moses auf den Berg Sinai stieg, um die Gebote Gottes zu erhalten, war das Volk Israels auf sich selbst angewiesen, sie hatten den wahren Gott verlassen. Frauen und Männer hatten ihr Gold und ihre Juwelen abgegeben, um einen Götzen zu schaffen, den sie anbeten konnten. Und ihr, zivilisierte Menschen, tut dasselbe. Denn Christus hat euch seine Lehre hinterlassen. Er hat euch das Vorbild aller Tugenden gegeben und ihr habt euch von dieser Lehre und von seinem Beispiel abgewendet. Jeder von euch, beladen mit seinen Leidenschaften, hat sich einen Götzen nach seiner Lust geschaffen; die einen schaffen sich einen schrecklichen und blutigen, die anderen einen hinsichtlich des Interesses für unsere Welt gleichgültigen Götzen. Der von euch erschaffene Gott ist noch solch ein goldenes Kalb, das sich den Leidenschaften und Ideen von jedem anpasst.  Meine Freunde, meine Geschwister, erwachet! Möge die Stimme der guten Geistwesen euer Herz aufmuntern. Seid ohne Prahlerei gro.mütig und mildtätig, das heißt, tut Gutes in Demut. Auf dass jeder allmählich die Altare des Stolzes abreißt, die ihr des Stolzes wegen aufgebaut habt. Mit einem Wort, seid wahre Christen, so werdet ihr das Reich der Wahrheit erreichen. Zweifelt nicht an der Güte Gottes, gerade jetzt, da Er euch so viele Beweise sendet. Wir kamen, um den Weg der Erfüllung der Prophezeiungen vorzubereiten. Wann immer Gott euch eine Kundgebung Seiner Gnade anbietet, seht zu, dass der himmlische Lichtbote euch versammelt trifft, wie eine große Familie, mit sanftem, demütigem Herzen, würdig, um die heiligen Worte zu empfangen, die er euch mitbringt. Seht zu, dass der Auserwählte auf seinem Weg nur Palmen findet, die durch eure Rückkehr zur Nächstenliebe und zur Brüderlichkeit gelegt werden. Dann wird eure Welt ein irdisches Paradies sein. Wenn ihr dennoch gleichgültig gegenüber den Stimmen der Lichtboten bleibt, die geschickt werden, um die zivilisierte Gesellschaft zu reinigen und sie zu erneuern, die zwar reich an Wissen ist, aber arm an erhabenen Gefühlen, so wird euch nichts erspart bleiben, außer Weinen und Jammern um euer verlorenes Glück. Aber nein, so wird es nicht sein. Richtet euch an Gott, eueren Schöpfer! Dann werden wir alle, die daran gearbeitet haben, Seinen Willen in Erfüllung zu bringen, den Gesang der Dankbarkeit singen, für Seine unendliche Güte und Ihn verherrlichen, in alle Ewigkeit. So sei es.

(Lacordaire, Constantine, 1863)

KAPITEL VII –  Das Evangelium im Lichte des Spiritismus

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